Christlich Demokratische Union Deutschlands
Christlich Demokratische Union Deutschlands
Gemeindeverband Dallgow-Döberitz Seeburg
CDU Kreisverband Musterstadt
Stellungnahme von Otto Pötzsch (CDU) als Leserbrief in der MAZ am 
21. Dezember 2004 veröffentlicht:

zu Leserbriefe - »Kopfgeld umstritten« von Herrn Rüdiger Schäfer (SPD), Dallgow-Döberitz in ,Der Havelländer' vom 02. 12. 2004

- »Eine durchaus lukrative Einnahmemöglichkeit« von Herrn Dr. Clemens Szamatolski (SPD), Dallgow-Döberitz in ,Der Havelländer' vom 17. 12. 2004

--------------
Bemerkenswerte Dinge passieren in Dallgow-Döberitz. Es ist schwer, die handelnden Personen und Positionen zum Thema Graffiti auseinander zuhalten und zuzuordnen. Schließlich und zu alledem fällt es dem Beobachter punktuell schwer, Posse und sachliche Auseinandersetzung zu trennen.

Von Herrn Jürgen Hemberger, »Freie Wähler« und Vorsitzender der Gemeindevertretung, stammt der beachtenswerte Vorschlag, die Bürger zu belohnen, die den Graffiti-Schmierern das Handwerk legen (Der Havelländer berichtete in einer Leserbriefanmerkung). Als es in der Gemeindevertretung zur Abstimmung über seinen eigenen (zudem noch abgeschwächten!) Vorschlag kam, war er wohl so erschrocken über sich selbst, dass er sich tapfer der Stimme enthielt. Den Herren Wolfgang Gall und Peter Heisler von der CDU/FDP-Fraktion wurde von zwei SPD-Leserbriefschreibern giftend nach alter Agitprop-Art die Vaterschaft des Hemberger-Antrages untergeschoben, als sie diesen unterstützenswerten Antrag doch tatsächlich aufgriffen. Für Herrn Rüdiger Schäfer (SPD), Autor des verqueren und dennoch zu kommentierenden Leserbeitrages »Kopfgeld umstritten« (Havelländer, 02. 12. 2004), ist die allgegenwärtige Graffiti ein Kunstgenus und Dr. Clemens Szamatolski (SPD), Rechenakrobat, verkauft sich als Autor des Leserbriefes »Eine durchaus lukrative Einnahmemöglichkeit« (Havelländer, 17. 12. 2004) unter Niveau. Zu alledem enttäuscht Herr Dr. Heinrich Maidhof, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung, seine übereifrigen Genossen Schäfer und Dr. Szamatolski, indem er sich schließlich sachorientiert dem veränderten Graffiti-Antrag anschließt.

Mit der Zustimmung der Gemeindevertretung zu dem Graffiti-Antrag wäre die Sache eigentlich erledigt gewesen, wären da nicht die beiden genannten Leserbriefautoren. Sie haben sich einige Bemerkungen redlich verdient.

Der Beitrag des Herrn Rüdiger Schäfer (SPD) aus Dallgow-Döberitz zeigt, dass mit dem sozialen und kulturellen Alltagsverhalten einiger unserer Mitbürger manches im Argen liegt.

Herr Schäfer bezeichnet die von Jürgen Hemberger (Freie Wähler), Wolfgang Gall und Peter Heisler (beide CDU-Fraktion) gerügten Graffiti-Schmierereien als Kunst. Diese Art von Kunstverständnis ist nicht nachvollziehbar. Der nur subjektiv zu beurteilende künstlerische Wert im Einzelfalle ist auch nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass selbsternannte »Künstler« ihre »Werke« ungefragt anderen aufzwingen, dass sie deren Eigentum in eklatanter Weise beeinträchtigen. Ob es sich um eine Einzelperson oder um die Gemeinde handelt: niemand ist bereit, seine Hauswand oder eine gemeindeeigener Fläche (z.B. Bahnhofsunterführung) zur Befriedigung des »Kunst«-Triebes einzelner Heranwachsender ungefragt zur Verfügung zu stellen. Die jugendlichen Schmierer müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Wohl des Gemeinwesens Vorrang vor dem »künstlerisch«-exhibitionistischen Drang einiger unerzogener junger Mitbürger hat. Notfalls, das ist meine Überzeugung, sollten Unbelehrbare zur Verantwortung gezogen werden. Am besten durch Geldstrafen. Der Griff in den Geldbeutel schmerzt am meisten. Hier ist primär der Gesetzgeber aufgerufen, endlich klare Verhaltensregeln aufzustellen.

Kinder und Jugendliche sind es insbesondere, die durch ein (anerzogenes?) destruktives Verhalten dazu beitragen, unser Ortsbild zu verschandeln statt zu verschönern, die durch Vandalismus der Allgemeinheit beträchtlichen materiellen Schaden zufügen. Sie werden in den wenigsten Fällen in der Lage sein, zeitnah von ihnen verursachte Schäden selbst zu beseitigen oder die für die Beseitigung entstehenden Kosten zu tragen. Deshalb sollten auch die für deren (Fehl-)Entwicklung verantwortlichen Eltern zur Kasse gebeten werden. Es wird doch zu oft vergessen, dass das Elternhaus für die Erziehung der Kinder verantwortlich ist. Die Erziehung beginnt im Familienkreis. Hat dort allerdings die Erziehung versagt, sind die Kinder ohne Vorbildfunktion nur einfach herangewachsen, einfach nur größer geworden, sind die Eltern verantwortlich. Es ist pure Heuchelei, wenn für eine mangelnde gute Kinderstube andere, insbesondere die Schulen, verantwortlich gemacht werden. Hat das Elternhaus versagt, kann die Schule bei allem guten Willen nicht mehr viel ausrichten. Erziehung ist vorrangig eine Sache des Elternhauses, Bildung eine Sache der Schule. Beide Seiten müssen sich selbstverständlich gegenseitig unterstützen. Es ist aber nicht die Sache der Schule (des Staates), die alltäglichen Erziehungsaufgaben des Elternhauses zu übernehmen und damit die Eltern zu bloßen Kinderlieferanten zu degradieren.

Eine Anregung habe ich noch für Herrn Rüdiger Schäfer mit seinem Graffiti betreffenden »Kunst«-Verstand. Wenn Graffiti Kunst ist, wäre es doch geradezu ideal, wenn er sich bei der nächsten Renovierung seiner Wohnung die Ausgaben für neue Tapetenrollen spart. Sicher wird es einige Kinder und Jugendliche geben, die seine Wohnung in eine Kunstgalerie verwandeln. Nur Mut, Herr Schäfer.

Nach meinem Verständnis ist Kunst etwas anderes. Der Duden beschreibt das Wort Graffiti sachgerecht als Wandkritzelei. Mir fällt bei dem Wort Graffiti ein alter Spruch ein: »Narrenhände beschmieren Tisch und Wände«.

»Eine durchaus lukrative Einnahmemöglichkeit« wittert Herr Dr. Szamatolski (Havelländer, 17. 12. 2004). Er meint, er könne seinen bürgerlichen Beruf an den Nagel hängen und als eine Art Eckensteher von Dallgow sein Brot damit verdienen, Graffiti-Schmierer aufzustöbern und der Gemeinde zu benennen; 3 Schmierer in der Woche, 156 Schmutzfinken im Jahr. An seiner Milchmädchenrechnung stimmt nur eines nicht: Dallgow-Döberitz ist kein Ort voller unerzogener Schmutzfinken. Dagegen verwahren sich die Bürger unserer Gemeinde. Das Ortsbild wird nur von wenigen sozial nicht eingebundenen Schmierfinken verschandelt. Herr Dr. Szamatolski würde nicht reich werden.

Dr. Szamatolski rechnet mit 3 »Fängen« (Originalausdruck Szamatolski) pro Woche und errechnet sich flugs ein Jahreseinkommen von 144.000 €. Aber, aber, Herr Dr. Szamatolski! Das Jahr hat bekanntlich im Regelfalle 52 Wochen. Hiernach wären es im Jahr 156.000 € statt mageren 144.000 €. Die Sache hat nur einen Haken: Herr Dr. Szamatolski müsste in eine Metropole umziehen, um ausreichend viele Graffiti-Sprayer zu finden. Das wollen wir alle nicht. Die SPD Dallgow-Döberitz würde an Unterhaltungswert verlieren.

nach oben



zurück

Seite drucken